Internalisierte Queerfeindlichkeit als Risikofaktor für die Wohnungs- und Obdachlosigkeit von queeren Menschen in einem binären Sozialhilfesystem
Queerness im 21. Jahrhundert
Christopher-Street-Day, Pride Month, die Ehe für alle – Queerness wird sowohl virtuell als auch physisch immer mehr gezeigt, gesehen und zelebriert. Regenbogenflaggen zieren die Straßenzüge der Städte, popkulturelle Höchstmomente wie eine deutsche Staffel von RuPaul‘s Drag Race werden durch öffentliche Screenings in Kinos gefeiert und die Stars der Gen Z outen sich als bisexuell auf den Titelblättern der weltweit größten Magazine. Der Erfolg, die Sichtbarkeit und Toleranz wurde sich durch Aktvist*innen lange erarbeitet und sorgt durch das damit ausgelöste Umdenken auch für eine höhere Lebensqualität von nicht-queere Menschen. Mit einem Anteil von 7 bis 10 Prozent handelt es sich bei queeren Personen zwar um eine Minorität, aber eine, die mit der eigenen geschlechtlichen und sexuellen Identität zusammenhängt. Die Vulnerabilität dieser Gruppe ist damit nicht zu bestreiten. Doch während Minderheiten weiter für mehr Rechte, Akzeptanz und Freiheiten protestieren, demonstrieren und streiken stehen auf der anderen Seite Gendergegner wie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, eine gestiegene Wähler*innenschaft der AfD und eine sich immer extremer ausprägende Hasskriminalität im öffentlichen Raum, ausgeübt von nicht-queeren Menschen gegenüber queeren Menschen. Während es in Deutschland 2002 nur 45 polizeilich erfasste Delikte gegen die sexuelle Orientierung gab, waren es 2022 1.005. Die Dunkelziffer liegt mit großer Wahrscheinlichkeit deutlich darüber. Queeren Menschen wird gezeigt, dass sie kein vollwertiger Teil der Gesellschaft oder sogar gänzlich unerwünscht sind. Besonders gefährlich wird das, wenn die Straße in der Wohnungs- und Obdachlosigkeit das einzige Zuhause ist und die letzte Möglichkeit Schutz zu finden: Der Anteil queerer Wohnungs- und Obdachloser übersteigt mit bis zu 40 Prozent den gesellschaftlichen Anteil von 7 bis 10 Prozent um ein Vielfaches. Es wird offensichtlich, dass sie besonders schutzbedürtiig sind. Dem gegenüber steht, dass es in den meisten Städten keine einzige queere Notfallunterkunft für Wohnungs- und Obdachlose gibt und sie durch das binäre Sozialhilfesystem weitere Diskriminierungserfahrungen machen. Welche Parameter, welche Erlebnisse und welche Bedürfnisse sorgen dafür, dass sie kein Zuhause haben und wie unterscheiden sich die gesellschaftlichen und individuellen Strukturen von denen der Mehrheitsgesellschaft? Wie ist es als queere Person in einem binären Sozialhilfesystem wohnungs- oder obdachlos zu sein? An welchen Stellen lassen Systeme und Strukturen sie im Stich und wie kann das verhindert werden?
Christopher-Street-Day, Pride Month, die Ehe für alle – Queerness wird sowohl virtuell als auch physisch immer mehr gezeigt, gesehen und zelebriert. Regenbogenflaggen zieren die Straßenzüge der Städte, popkulturelle Höchstmomente wie eine deutsche Staffel von RuPaul‘s Drag Race werden durch öffentliche Screenings in Kinos gefeiert und die Stars der Gen Z outen sich als bisexuell auf den Titelblättern der weltweit größten Magazine. Der Erfolg, die Sichtbarkeit und Toleranz wurde sich durch Aktvist*innen lange erarbeitet und sorgt durch das damit ausgelöste Umdenken auch für eine höhere Lebensqualität von nicht-queere Menschen. Mit einem Anteil von 7 bis 10 Prozent handelt es sich bei queeren Personen zwar um eine Minorität, aber eine, die mit der eigenen geschlechtlichen und sexuellen Identität zusammenhängt. Die Vulnerabilität dieser Gruppe ist damit nicht zu bestreiten. Doch während Minderheiten weiter für mehr Rechte, Akzeptanz und Freiheiten protestieren, demonstrieren und streiken stehen auf der anderen Seite Gendergegner wie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, eine gestiegene Wähler*innenschaft der AfD und eine sich immer extremer ausprägende Hasskriminalität im öffentlichen Raum, ausgeübt von nicht-queeren Menschen gegenüber queeren Menschen. Während es in Deutschland 2002 nur 45 polizeilich erfasste Delikte gegen die sexuelle Orientierung gab, waren es 2022 1.005. Die Dunkelziffer liegt mit großer Wahrscheinlichkeit deutlich darüber. Queeren Menschen wird gezeigt, dass sie kein vollwertiger Teil der Gesellschaft oder sogar gänzlich unerwünscht sind. Besonders gefährlich wird das, wenn die Straße in der Wohnungs- und Obdachlosigkeit das einzige Zuhause ist und die letzte Möglichkeit Schutz zu finden: Der Anteil queerer Wohnungs- und Obdachloser übersteigt mit bis zu 40 Prozent den gesellschaftlichen Anteil von 7 bis 10 Prozent um ein Vielfaches. Es wird offensichtlich, dass sie besonders schutzbedürtiig sind. Dem gegenüber steht, dass es in den meisten Städten keine einzige queere Notfallunterkunft für Wohnungs- und Obdachlose gibt und sie durch das binäre Sozialhilfesystem weitere Diskriminierungserfahrungen machen. Welche Parameter, welche Erlebnisse und welche Bedürfnisse sorgen dafür, dass sie kein Zuhause haben und wie unterscheiden sich die gesellschaftlichen und individuellen Strukturen von denen der Mehrheitsgesellschaft? Wie ist es als queere Person in einem binären Sozialhilfesystem wohnungs- oder obdachlos zu sein? An welchen Stellen lassen Systeme und Strukturen sie im Stich und wie kann das verhindert werden?
Die Lebensrealität von queeren Menschen
Um die Lebensrealität von queeren Menschen und das damit einhergehende gestiegene Risiko der Wohnungs- und Obdachlosigkeit zu verstehen, ist es wichtig vorher zu wissen, weshalb sich ihre Erfahrungen und Erlebnisse grundsätzlich zu denen der Mehrheitsgesellschaft(1) unterscheiden. Dafür bietet sich eine verkürzte Darstellung des Modell des Minoritätenstress nach Ilan H. Meyer an: Für Minderheiten ist eine Zugehörigkeit zur Mehrheitsgesellschaft unmöglich zu erreichen, da sie den Attributen der Mehrheitsgesellschaft identitär nicht entsprechen können. Anhand von Stigmatisierung, Diskriminierungserfahrung und Gewalt und der daraus resultierenden internalisierten Queerfeindlichkeit wird ihnen unmittelbar oder mittelbar gezeigt, dass sie eine niedrigere gesellschaftliche Positionierung innehaben. Das äußert sich nur in den zwischenmenschlichen Beziehungen, sondern beispielsweise auch auf dem Wohn- und Arbeitsmarkt, im Gesundheitswesen und der Bildung. Es ist deutlich, dass dies für chronischen Stress und dauerhafte Belastung sorgt und die negativen Auswirkungen auf die Gesundheit erhöht, beispielsweise durch psychische Erkrankungen.(2)
Der Minoritätenstress ergibt sich aus einem Othering(3) von mehrheitlich nicht-queeren Menschen gegenüber queeren Menschen. Diese Dynamik wird noch verstärkt, wenn Betroffene zusätzlich wohnungs- und obdachlos sind, da das in einem kapitalistischen System als Scheitern zählt. Um diese Spirale von Othering auszuhalten, kann es zu Drogenmissbrauch und/oder Suizidgedanken kommen, was eine weitere Dimension des Othering hinzufügt. Dabei ist zu betonen, dass in der Forschung zu Wohnungs- und Obdachlosigkeit der Faktor „Geschlecht“ dann als besonders herausgestellt wird, wenn es um cis Frauen geht. Das bedeutet, dass es bereits ausreicht eine Frau zu sein, um als „das andere“ zu gelten.(4) Wer dann noch weiterer intersektionaler Diskriminierung ausgesetzt ist, also beispielsweise queer ist, rassifiziert wird, behindert ist oder nicht deutsch spricht, muss besonders viel aushalten. Als Resultat und um besagter Belastung der Gesellschaft standzuhalten, verstecken Betroffene ihre soziosexuelle Identität. Das steigert die Relevanz der queeren Community(5), welche allerdings in der Wohnungs- und Obdachlosigkeit nicht gegeben sein kann, da es dann um die Sicherung der Existenz und nicht um die eigene Identität geht. Damit kann queeren Menschen auch in zwischenmenschlichen Beziehungen „auf der Straße“ keine Sicherheit geboten werden. Zusätzlich zur Anteilhabe an der Mehrheitsgesellschaft leiden queere Personen häufig unter der Prägung der nicht-queeren Herkunsfamilie samt internalisierter Queerfeindlichkeit, was nicht selten der erste Schritt in die Wohnungs- und Obdachlosigkeit ist. Nicht nur fehlen Vorbilder, sondern queere Werte werden nicht praktiziert. Wenn dann ein Outing stattfindet, kann es zu dem Verlust von materiellen, emotionaler und sozialen Ressourcen führen und wenn der Nahraum des Freund*innenkreises das nicht auffangen kann, bleibt meist nur die Obdachlosigkeit.(6) Für viele ausländische queere Menschen, beispielsweise aus einem Land in dem Homosexualität verboten ist, ist eine Flucht in liberalere Länder die einzige Überlebensmöglichkeit. Zu der Verarbeitung der eigenen geschlechtlichen und sexuellen Identität gesellt sich dann noch das Fluchterlebnis und der Status des Geflüchteten. Dabei sind die eigene Akzeptanz und ein konstantes Umfeld unabdingbar für die Stabilität der Person und der Situation.(7) Falls die Wohnungs- und Obdachlosigkeit einem Outing vorausgeht, kann das während der Wohnungs- und Obdachlosigkeit zu einer persönlichen Krise führen und die Anfälligkeit für Drogenmissbrauch oder die Besorgung von Hormonen und Implantaten aus unsicheren Quellen befördern. Am Ende ist das ein weiterer Risikofaktor für die Gesundheit queerer Menschen.(8)
Um die Lebensrealität von queeren Menschen und das damit einhergehende gestiegene Risiko der Wohnungs- und Obdachlosigkeit zu verstehen, ist es wichtig vorher zu wissen, weshalb sich ihre Erfahrungen und Erlebnisse grundsätzlich zu denen der Mehrheitsgesellschaft(1) unterscheiden. Dafür bietet sich eine verkürzte Darstellung des Modell des Minoritätenstress nach Ilan H. Meyer an: Für Minderheiten ist eine Zugehörigkeit zur Mehrheitsgesellschaft unmöglich zu erreichen, da sie den Attributen der Mehrheitsgesellschaft identitär nicht entsprechen können. Anhand von Stigmatisierung, Diskriminierungserfahrung und Gewalt und der daraus resultierenden internalisierten Queerfeindlichkeit wird ihnen unmittelbar oder mittelbar gezeigt, dass sie eine niedrigere gesellschaftliche Positionierung innehaben. Das äußert sich nur in den zwischenmenschlichen Beziehungen, sondern beispielsweise auch auf dem Wohn- und Arbeitsmarkt, im Gesundheitswesen und der Bildung. Es ist deutlich, dass dies für chronischen Stress und dauerhafte Belastung sorgt und die negativen Auswirkungen auf die Gesundheit erhöht, beispielsweise durch psychische Erkrankungen.(2)
Der Minoritätenstress ergibt sich aus einem Othering(3) von mehrheitlich nicht-queeren Menschen gegenüber queeren Menschen. Diese Dynamik wird noch verstärkt, wenn Betroffene zusätzlich wohnungs- und obdachlos sind, da das in einem kapitalistischen System als Scheitern zählt. Um diese Spirale von Othering auszuhalten, kann es zu Drogenmissbrauch und/oder Suizidgedanken kommen, was eine weitere Dimension des Othering hinzufügt. Dabei ist zu betonen, dass in der Forschung zu Wohnungs- und Obdachlosigkeit der Faktor „Geschlecht“ dann als besonders herausgestellt wird, wenn es um cis Frauen geht. Das bedeutet, dass es bereits ausreicht eine Frau zu sein, um als „das andere“ zu gelten.(4) Wer dann noch weiterer intersektionaler Diskriminierung ausgesetzt ist, also beispielsweise queer ist, rassifiziert wird, behindert ist oder nicht deutsch spricht, muss besonders viel aushalten. Als Resultat und um besagter Belastung der Gesellschaft standzuhalten, verstecken Betroffene ihre soziosexuelle Identität. Das steigert die Relevanz der queeren Community(5), welche allerdings in der Wohnungs- und Obdachlosigkeit nicht gegeben sein kann, da es dann um die Sicherung der Existenz und nicht um die eigene Identität geht. Damit kann queeren Menschen auch in zwischenmenschlichen Beziehungen „auf der Straße“ keine Sicherheit geboten werden. Zusätzlich zur Anteilhabe an der Mehrheitsgesellschaft leiden queere Personen häufig unter der Prägung der nicht-queeren Herkunsfamilie samt internalisierter Queerfeindlichkeit, was nicht selten der erste Schritt in die Wohnungs- und Obdachlosigkeit ist. Nicht nur fehlen Vorbilder, sondern queere Werte werden nicht praktiziert. Wenn dann ein Outing stattfindet, kann es zu dem Verlust von materiellen, emotionaler und sozialen Ressourcen führen und wenn der Nahraum des Freund*innenkreises das nicht auffangen kann, bleibt meist nur die Obdachlosigkeit.(6) Für viele ausländische queere Menschen, beispielsweise aus einem Land in dem Homosexualität verboten ist, ist eine Flucht in liberalere Länder die einzige Überlebensmöglichkeit. Zu der Verarbeitung der eigenen geschlechtlichen und sexuellen Identität gesellt sich dann noch das Fluchterlebnis und der Status des Geflüchteten. Dabei sind die eigene Akzeptanz und ein konstantes Umfeld unabdingbar für die Stabilität der Person und der Situation.(7) Falls die Wohnungs- und Obdachlosigkeit einem Outing vorausgeht, kann das während der Wohnungs- und Obdachlosigkeit zu einer persönlichen Krise führen und die Anfälligkeit für Drogenmissbrauch oder die Besorgung von Hormonen und Implantaten aus unsicheren Quellen befördern. Am Ende ist das ein weiterer Risikofaktor für die Gesundheit queerer Menschen.(8)
Queere Menschen und das binäre Sozialhilfesystem
Aufgrund des Minoritätenstress und den damit einhergehenden Diskriminierungs- und Gewalterlebnissen ergeben sich bei Betroffenen tiefe Ängste bis hin zu Angststörungen und Panikattacken. Sie trauen sich durch jahrelange Abweisung nicht auf andere Menschen zuzugehen und weitergehend auch nicht bei Einrichtungen der Notfallversorgung für Wohnungs- und Obdachlose vorzusprechen.(9)
Gegebenenfalls kann es auch sein, dass queere Menschen sich zu einem eigenen Schutz isolieren oder gefährliche Allianzen mit anderen Menschen eingehen, die ihnen vermeintlich helfen möchte.(10) Wer sich doch traut Schutz bei Einrichtungen zu suchen, der begegnet einem binären Sozialhilfesystem mit keinerlei Sensibilisierung für queere Lebensrealitäten. Die Gründe dafür sind vielschichtig: Jahrzehnte von systematischer Unsichtbarkeit queerer Personen führte zu einem System, das auf die Mehrheitsgesellschaft ausgelegt ist und gleichzeitig bietet die Forschung bisher kaum Ergebnisse zu Queerness und Wohnungs- und Obdachlosigkeit. Einrichtungen können sich somit kaum oder nur mit extremer Erschwerung auf queere Menschen vorbereiten und eingehen, da ihnen die Grundlagen fehlen. Zu der Verdeutlichung der prekären Situation, in der queere Wohnungs- und Obdachlose auf das binäre Hilfesystem treffen, wird ein Gedankenexperiment aufgestellt: Eine trans, inter und/oder nicht-binäre Person traut sich trotz Ängsten bei einer Einrichtung vorzusprechen. Sie muss auf ihr bei der Geburt zugewiesenes Geschlecht – das sich von dem empfundenen unterscheidet – aufmerksam machen und sich mit dem Deadname oder den falschen Pronomen ansprechen lassen. Die Akte wird ebenfalls mit dem falschen Geschlecht und Namen geführt. Eventuell ergibt sich bei einem Aufnahmegespräch außerdem der Zwang über die eigenen Identität zu sprechen, obwohl es bei einer Obdachlosenunterkunft um die Sicherung der Existenz und nicht um die eigene Identität geht. Wenn das empfundene und das in Ausweisdokumenten festgeschriebene Geschlecht nicht übereinstimmt kann ihnen der Zugang zu einer Unterkunft verweigert werden, sie verlassen sie nach einem Aufenthalt mit Diskriminierungserfahrung oder Gewalt durch Mitarbeitende und/oder andere Klient*innen wieder oder sie verlieren den Schutzanspruch, wenn die Transition während des Aufenthalts das gelesene Geschlecht ändert.(11) Besonders verheerend wird es, wenn es sich dabei um jugendliche trans Menschen handelt, da sie die Bevölkerungsgruppe mit der höchsten Vulnerabilität ausmachen. Alles endet in der wohnungs- oder obdachlosen Schutzlosigkeit. Die Verantwortung liegt dementsprechend bei den Individuen und sie werden erneut ausgeschlossen. Wer es als trans, inter oder nicht-binäre Person in eine der binären Unterkünfte schafft, den erwartet ein Paradox an Schutz und Ausgrenzung. Eine gezwungene Zugehörigkeit zu geteilten Sanitärräumen, kaum bis keine Rückzugsmöglichkeiten in Mehrbettzimmern und möglicherweise eine Reproduktion von Diskriminierung- und Ausgrenzungsprozessen durch eine fehlende Sensibilisierung des Personals gelten in diesen Fällen als Standard.(12) In einem extremen Spektrum kann es zu geschlechtsspezifischer Gewalt an queeren Menschen durch andere Klient*innen kommen, da diese sich in der akuten Phase der eigenen Existenzsicherung nicht zusätzlich mit ihrer internalisierten Queerfeindlichkeit beschäftigen können. Gewalttätige Übergriffe werden zudem als Einzelfälle anstatt geschlechts- und sexualspezifische Diskriminierung erfasst, was sowohl einer Tatsachenverschiebung gleichkommt als auch einem Ausbleiben einer Lösung, wie es mit der Einführung von rein weiblichen Einrichtungen auf sexistische Diskriminierung getan wurde. Diese Lücke wird bis heute nicht geschlossen.(13)
Maßnahmen zur Überwindung der Diskriminierung queerer Menschen mit Fokus auf das Sozialhilfesystem der Wohnungs- und Obdachlosigkeit Da bereits deutlich wurde, wie queere Menschen in die Wohnungs- und Obdachlosigkeit geraten und wie sie durch das Sozialhilfesystem vernachlässigt werden, stellt sich die Frage, wie Einrichtungen auf struktureller, baulicher und zwischenmenschlicher Ebene organisiert sein müssten, um keine Diskrepanz zwischen Menschen der Mehrheitsgesellschaft und queeren Menschen entstehen zu lassen. Wie sind die Bedürfnisse der Einrichtungen und der Klient*innen? Grundsätzlich und übergeordnet müsste das System und die Struktur der Mehrheitsgesellschaft aufgehoben werden; konkret bedeutet das, dass jede Person ein umfassendes Verständnis für die Lebensrealität anderer Menschen entwickeln müsste und aktiv gegen Diskriminierung vorgehen müsste. Das gleicht aktuell eher einer Utopie als einer Möglichkeit: Der weltweite Durchschnitt bis zur Gleichstellung von Frau und Mann – gemessen and Parametern der politischen Teilhabe, Zugang zu Gesundheit, Bildung und wirtschaftlichen Möglichkeiten – beträgt 136 Jahre.(14)
Man bedenke zusätzlich, dass cis Frauen, um die es sich hier handelt, mit circa 50 Prozent der Weltbevölkerung eigentlich keine Minorität im Gegensatz zu queeren Menschen darstellen und sie daher bessere Chancen eine vollkommene Gleichstellung zu erreichen, haben. Ein weiterer Aspekt, weshalb diese Utopie jene bleibt, ist außerdem, dass queere Menschen als unterdrückte und ausgeschlossene Minorität durch die Mehrheitsgesellschaft deutlich besser verstehen, was es überhaupt bedeutet und mit sich bringt zu der Mehrheitsgesellschaft zu gehören: Eine rassifizierte, lesbische Frau versteht das System, zu dem sie nicht dazu gehören kann, besser als ein weißer, cis Mann, der im System aufgewachsen ist und es nie hinterfragen musste. Es ist unrealistisch, dass alle Menschen die Kapazität und Möglichkeit, beispielsweise auf Aufklärung und Bildung, haben, um sich mit Queerfeindlichkeit auseinanderzusetzen. Trotzdem soll diese Utopie und welche Maßnahmen nötig sind, aufgezeigt werden; dazu gehört: Entpathologisierung und Entpsychiatrisierung für queere Menschen, Ende struktureller Diskriminierung wie Sexismus, Rassismus, Klassismus, Queerfeindlichkeit, Ableismus und viele mehr, vollkommene rechtliche und politische Gleichstellung aller Menschen, Ende des Kapitalismus, Wechsel des Gesundheits- und Sozialhilfesystems und Wechsel des Asylrechts. Auf einer strukturellen Ebene des Sozialhilfesystems bieten sich Änderungen an, die mit mehr oder weniger Aufwand umsetzbar sind. Wie bereits beschrieben ist die vollständige Akzeptanz der queeren Identität unabdingbar, damit sie dauerhaft durch das Sozialhilfesystem aufgefangen werden. Um das zu verbessern, bietet sich eine individuelle statt systematische Arbeitsweise pro Klient*in an, außerdem vollständige Transparenz zwischen Mitarbeitenden und Klient*innen, das Führen der Akte unter selbstgewähltem Geschlecht und die Ansprache der Person mit den selbstgewählten Pronomen, zusätzlich noch einheitliche Aufnahme- und Ausschlusskriterien, die Aufrechterhaltung der Hilfe trotz Transition und eine Verbesserung der medizinischen Versorgung.(15) Auf einer baulichen Ebene sind individuelle Rückzugmöglichkeiten, beispielsweise durch Einzelzimmer und getrennte Sanitäranlagen wichtig. Des Weiteren können Einrichtungen die Anbindung an die queere Community unterstützen, Gespräche ohne Zwang anbieten und Klient*innen den Raum zur Identitätsentwicklung bieten. Trotzdem muss sich der Fokus von der Identität von Klient*innen auf die Unterstützungsarbeit verschieben, um Othering vorzubeugen und die Wohnungs- und Obdachlosigkeit zu überwinden. Für einen besseren Zugang müssen Einrichtung Barrierefreiheit gewährleisten und Städte die Plätze in queeren Einrichtungen samt umfangreichen Informationen öffentlich ausschreiben.(16) Nicht nur braucht es ein Umdenken für queeren Klient*innen, sondern auch einen veränderten Handlungsspielraum für Einrichtungen und deren Mitarbeitenden. Es muss sich ein Verständnis für Gender, Sexualität und identitäre Diversität auf der Handlungsebene etablieren. Ihnen müssen durch staatlich finanzierte Fortbildungsmöglichkeiten, Vernetzung untereinander, Workshops, Informationen und zwanglose Gespräche zur Verfügung gestellt werden, damit sie – genau wie queere Menschen – nicht die Verantwortung für das System tragen müssen. Des Weiteren können sie ein Ally sein, indem sie queere Symbole, Flyer, Plakate, Musik, Filme und andere Medien platzieren und bereitstellen und sich regelmäßig selbst und durch unabhängige und außenstehende Instanzen wie gendersensible Gesundheitsdienste und Soziolog*innen evaluieren und gegebenenfalls anpassen.(17)
Besonders relevant wird das, wenn die Forschungsergebnisse rund um das queere Leben zunehmen werden – was in dem letzten Jahrzehnt bereits deutlich zu beobachten war. Zudem muss sichergestellt sein, dass die Einrichtung ein hohes Maß an Sicherheit hat, beispielsweise mithilfe geschulter Sicherheitskräfte, da queere Menschen und deren Nahraum – wie eingangs beschrieben – gewalttätiger Diskriminierung und Angriffen ausgesetzt sind. Zudem können Sicherheitskräfte Auseinandersetzungen zwischen Klient*innen vermeiden, wenn sie entsprechend sensibel agieren und die Anzahl der Angestellten pro Einrichtung hoch genug ist, um so früh wie möglich potenzielle Diskussionen und Streits zu deeskalieren.
Aufgrund des Minoritätenstress und den damit einhergehenden Diskriminierungs- und Gewalterlebnissen ergeben sich bei Betroffenen tiefe Ängste bis hin zu Angststörungen und Panikattacken. Sie trauen sich durch jahrelange Abweisung nicht auf andere Menschen zuzugehen und weitergehend auch nicht bei Einrichtungen der Notfallversorgung für Wohnungs- und Obdachlose vorzusprechen.(9)
Gegebenenfalls kann es auch sein, dass queere Menschen sich zu einem eigenen Schutz isolieren oder gefährliche Allianzen mit anderen Menschen eingehen, die ihnen vermeintlich helfen möchte.(10) Wer sich doch traut Schutz bei Einrichtungen zu suchen, der begegnet einem binären Sozialhilfesystem mit keinerlei Sensibilisierung für queere Lebensrealitäten. Die Gründe dafür sind vielschichtig: Jahrzehnte von systematischer Unsichtbarkeit queerer Personen führte zu einem System, das auf die Mehrheitsgesellschaft ausgelegt ist und gleichzeitig bietet die Forschung bisher kaum Ergebnisse zu Queerness und Wohnungs- und Obdachlosigkeit. Einrichtungen können sich somit kaum oder nur mit extremer Erschwerung auf queere Menschen vorbereiten und eingehen, da ihnen die Grundlagen fehlen. Zu der Verdeutlichung der prekären Situation, in der queere Wohnungs- und Obdachlose auf das binäre Hilfesystem treffen, wird ein Gedankenexperiment aufgestellt: Eine trans, inter und/oder nicht-binäre Person traut sich trotz Ängsten bei einer Einrichtung vorzusprechen. Sie muss auf ihr bei der Geburt zugewiesenes Geschlecht – das sich von dem empfundenen unterscheidet – aufmerksam machen und sich mit dem Deadname oder den falschen Pronomen ansprechen lassen. Die Akte wird ebenfalls mit dem falschen Geschlecht und Namen geführt. Eventuell ergibt sich bei einem Aufnahmegespräch außerdem der Zwang über die eigenen Identität zu sprechen, obwohl es bei einer Obdachlosenunterkunft um die Sicherung der Existenz und nicht um die eigene Identität geht. Wenn das empfundene und das in Ausweisdokumenten festgeschriebene Geschlecht nicht übereinstimmt kann ihnen der Zugang zu einer Unterkunft verweigert werden, sie verlassen sie nach einem Aufenthalt mit Diskriminierungserfahrung oder Gewalt durch Mitarbeitende und/oder andere Klient*innen wieder oder sie verlieren den Schutzanspruch, wenn die Transition während des Aufenthalts das gelesene Geschlecht ändert.(11) Besonders verheerend wird es, wenn es sich dabei um jugendliche trans Menschen handelt, da sie die Bevölkerungsgruppe mit der höchsten Vulnerabilität ausmachen. Alles endet in der wohnungs- oder obdachlosen Schutzlosigkeit. Die Verantwortung liegt dementsprechend bei den Individuen und sie werden erneut ausgeschlossen. Wer es als trans, inter oder nicht-binäre Person in eine der binären Unterkünfte schafft, den erwartet ein Paradox an Schutz und Ausgrenzung. Eine gezwungene Zugehörigkeit zu geteilten Sanitärräumen, kaum bis keine Rückzugsmöglichkeiten in Mehrbettzimmern und möglicherweise eine Reproduktion von Diskriminierung- und Ausgrenzungsprozessen durch eine fehlende Sensibilisierung des Personals gelten in diesen Fällen als Standard.(12) In einem extremen Spektrum kann es zu geschlechtsspezifischer Gewalt an queeren Menschen durch andere Klient*innen kommen, da diese sich in der akuten Phase der eigenen Existenzsicherung nicht zusätzlich mit ihrer internalisierten Queerfeindlichkeit beschäftigen können. Gewalttätige Übergriffe werden zudem als Einzelfälle anstatt geschlechts- und sexualspezifische Diskriminierung erfasst, was sowohl einer Tatsachenverschiebung gleichkommt als auch einem Ausbleiben einer Lösung, wie es mit der Einführung von rein weiblichen Einrichtungen auf sexistische Diskriminierung getan wurde. Diese Lücke wird bis heute nicht geschlossen.(13)
Maßnahmen zur Überwindung der Diskriminierung queerer Menschen mit Fokus auf das Sozialhilfesystem der Wohnungs- und Obdachlosigkeit Da bereits deutlich wurde, wie queere Menschen in die Wohnungs- und Obdachlosigkeit geraten und wie sie durch das Sozialhilfesystem vernachlässigt werden, stellt sich die Frage, wie Einrichtungen auf struktureller, baulicher und zwischenmenschlicher Ebene organisiert sein müssten, um keine Diskrepanz zwischen Menschen der Mehrheitsgesellschaft und queeren Menschen entstehen zu lassen. Wie sind die Bedürfnisse der Einrichtungen und der Klient*innen? Grundsätzlich und übergeordnet müsste das System und die Struktur der Mehrheitsgesellschaft aufgehoben werden; konkret bedeutet das, dass jede Person ein umfassendes Verständnis für die Lebensrealität anderer Menschen entwickeln müsste und aktiv gegen Diskriminierung vorgehen müsste. Das gleicht aktuell eher einer Utopie als einer Möglichkeit: Der weltweite Durchschnitt bis zur Gleichstellung von Frau und Mann – gemessen and Parametern der politischen Teilhabe, Zugang zu Gesundheit, Bildung und wirtschaftlichen Möglichkeiten – beträgt 136 Jahre.(14)
Man bedenke zusätzlich, dass cis Frauen, um die es sich hier handelt, mit circa 50 Prozent der Weltbevölkerung eigentlich keine Minorität im Gegensatz zu queeren Menschen darstellen und sie daher bessere Chancen eine vollkommene Gleichstellung zu erreichen, haben. Ein weiterer Aspekt, weshalb diese Utopie jene bleibt, ist außerdem, dass queere Menschen als unterdrückte und ausgeschlossene Minorität durch die Mehrheitsgesellschaft deutlich besser verstehen, was es überhaupt bedeutet und mit sich bringt zu der Mehrheitsgesellschaft zu gehören: Eine rassifizierte, lesbische Frau versteht das System, zu dem sie nicht dazu gehören kann, besser als ein weißer, cis Mann, der im System aufgewachsen ist und es nie hinterfragen musste. Es ist unrealistisch, dass alle Menschen die Kapazität und Möglichkeit, beispielsweise auf Aufklärung und Bildung, haben, um sich mit Queerfeindlichkeit auseinanderzusetzen. Trotzdem soll diese Utopie und welche Maßnahmen nötig sind, aufgezeigt werden; dazu gehört: Entpathologisierung und Entpsychiatrisierung für queere Menschen, Ende struktureller Diskriminierung wie Sexismus, Rassismus, Klassismus, Queerfeindlichkeit, Ableismus und viele mehr, vollkommene rechtliche und politische Gleichstellung aller Menschen, Ende des Kapitalismus, Wechsel des Gesundheits- und Sozialhilfesystems und Wechsel des Asylrechts. Auf einer strukturellen Ebene des Sozialhilfesystems bieten sich Änderungen an, die mit mehr oder weniger Aufwand umsetzbar sind. Wie bereits beschrieben ist die vollständige Akzeptanz der queeren Identität unabdingbar, damit sie dauerhaft durch das Sozialhilfesystem aufgefangen werden. Um das zu verbessern, bietet sich eine individuelle statt systematische Arbeitsweise pro Klient*in an, außerdem vollständige Transparenz zwischen Mitarbeitenden und Klient*innen, das Führen der Akte unter selbstgewähltem Geschlecht und die Ansprache der Person mit den selbstgewählten Pronomen, zusätzlich noch einheitliche Aufnahme- und Ausschlusskriterien, die Aufrechterhaltung der Hilfe trotz Transition und eine Verbesserung der medizinischen Versorgung.(15) Auf einer baulichen Ebene sind individuelle Rückzugmöglichkeiten, beispielsweise durch Einzelzimmer und getrennte Sanitäranlagen wichtig. Des Weiteren können Einrichtungen die Anbindung an die queere Community unterstützen, Gespräche ohne Zwang anbieten und Klient*innen den Raum zur Identitätsentwicklung bieten. Trotzdem muss sich der Fokus von der Identität von Klient*innen auf die Unterstützungsarbeit verschieben, um Othering vorzubeugen und die Wohnungs- und Obdachlosigkeit zu überwinden. Für einen besseren Zugang müssen Einrichtung Barrierefreiheit gewährleisten und Städte die Plätze in queeren Einrichtungen samt umfangreichen Informationen öffentlich ausschreiben.(16) Nicht nur braucht es ein Umdenken für queeren Klient*innen, sondern auch einen veränderten Handlungsspielraum für Einrichtungen und deren Mitarbeitenden. Es muss sich ein Verständnis für Gender, Sexualität und identitäre Diversität auf der Handlungsebene etablieren. Ihnen müssen durch staatlich finanzierte Fortbildungsmöglichkeiten, Vernetzung untereinander, Workshops, Informationen und zwanglose Gespräche zur Verfügung gestellt werden, damit sie – genau wie queere Menschen – nicht die Verantwortung für das System tragen müssen. Des Weiteren können sie ein Ally sein, indem sie queere Symbole, Flyer, Plakate, Musik, Filme und andere Medien platzieren und bereitstellen und sich regelmäßig selbst und durch unabhängige und außenstehende Instanzen wie gendersensible Gesundheitsdienste und Soziolog*innen evaluieren und gegebenenfalls anpassen.(17)
Besonders relevant wird das, wenn die Forschungsergebnisse rund um das queere Leben zunehmen werden – was in dem letzten Jahrzehnt bereits deutlich zu beobachten war. Zudem muss sichergestellt sein, dass die Einrichtung ein hohes Maß an Sicherheit hat, beispielsweise mithilfe geschulter Sicherheitskräfte, da queere Menschen und deren Nahraum – wie eingangs beschrieben – gewalttätiger Diskriminierung und Angriffen ausgesetzt sind. Zudem können Sicherheitskräfte Auseinandersetzungen zwischen Klient*innen vermeiden, wenn sie entsprechend sensibel agieren und die Anzahl der Angestellten pro Einrichtung hoch genug ist, um so früh wie möglich potenzielle Diskussionen und Streits zu deeskalieren.
Gleichberechtigung ist ein Marathon und kein Sprint
Das Leben queerer Menschen ist in den letzten Jahrzehnten in seiner Qualität durch die Arbeit vieler Aktivist*innen enorm gestiegen. Trotzdem sind sie aufgrund ihres Minoritätenstatus auf gesellschaftlicher, struktureller und individueller Ebene benachteiligt oder sogar gefährdet. Das zeigt sich anhand von Gewaltstatistiken und ihrem höheren Risiko wohnungs- oder obdachlos zu werden. Doch anstatt, dass unser Sozialhilfesystem sie auffängt, werden sie erneut diskriminiert. Ausgelöst durch den Minoritätenstress sind sie von einem anhaltenden, teilweise mehrfachen Othering betroffen. Dieser gesellschaftliche Status bedingt für viele Menschen ein Outing, welches in den Herkunftsfamilien zu dem Entzug materieller, emotionaler und sozialer Ressourcen führen kann. Um dem entgegenzuwirken ist die Unterstützung der queeren Community besonders wichtig und gleichzeitig in der Wohnungs- und Obdachlosigkeit aufgrund der gefährdeten Existenz und deren Sicherung nicht möglich. Wer davon betroffen ist wird nicht durch das binäre Sozialhilfesystem aufgefangen und entweder in Notfallunterkünften gar nicht erst aufgenommen oder muss während des Aufenthalts massive Diskriminierung oder Gewalt aushalten. Letztendlich bedeutet das, dass queere Menschen zusätzlich zu ihrem vulnerablen Status auch noch die Verantwortung für ein unangepasstes System tragen müssen. Um das zu ändern, benötigt es einerseits einen grundlegenden Wechsel auf gesellschaftlicher Grundlage in Bezug auf Diversität, Sexualität, Diskriminierung, Geschlecht, Gesundheit und Leistungserwartung. Zudem muss sich das binäre Sozialhilfesystem an die Bedürfnisse anderer Bevölkerungsgruppen als der Mehrheitsgesellschaft anpassen und flexibel gestaltet werden, damit sich die Situation für Klient*innen und für Einrichtungen verbessert. Die Relevanz einzelner Maßnahmen ist nicht zu unterschätzen und trotzdem ist Symbiose aller Maßnahmen eine unabdingbare Schnittstelle. Das sorgt auch für die Komplexität und die langsame Geschwindigkeit mit der sich aktuell – immerhin einige – Veränderungen vollziehen. Während die Aufrechterhaltung der Hoffnung auf eine Verbesserung des Systems harte Arbeit für Aktivist*innen, queere und wohnungs- oder obdachlose Menschen bedeutet, ist die radikale Zuversicht bis heute ein Akt des Widerstandes, mit dem sich bereits viel getan hat.
Das Leben queerer Menschen ist in den letzten Jahrzehnten in seiner Qualität durch die Arbeit vieler Aktivist*innen enorm gestiegen. Trotzdem sind sie aufgrund ihres Minoritätenstatus auf gesellschaftlicher, struktureller und individueller Ebene benachteiligt oder sogar gefährdet. Das zeigt sich anhand von Gewaltstatistiken und ihrem höheren Risiko wohnungs- oder obdachlos zu werden. Doch anstatt, dass unser Sozialhilfesystem sie auffängt, werden sie erneut diskriminiert. Ausgelöst durch den Minoritätenstress sind sie von einem anhaltenden, teilweise mehrfachen Othering betroffen. Dieser gesellschaftliche Status bedingt für viele Menschen ein Outing, welches in den Herkunftsfamilien zu dem Entzug materieller, emotionaler und sozialer Ressourcen führen kann. Um dem entgegenzuwirken ist die Unterstützung der queeren Community besonders wichtig und gleichzeitig in der Wohnungs- und Obdachlosigkeit aufgrund der gefährdeten Existenz und deren Sicherung nicht möglich. Wer davon betroffen ist wird nicht durch das binäre Sozialhilfesystem aufgefangen und entweder in Notfallunterkünften gar nicht erst aufgenommen oder muss während des Aufenthalts massive Diskriminierung oder Gewalt aushalten. Letztendlich bedeutet das, dass queere Menschen zusätzlich zu ihrem vulnerablen Status auch noch die Verantwortung für ein unangepasstes System tragen müssen. Um das zu ändern, benötigt es einerseits einen grundlegenden Wechsel auf gesellschaftlicher Grundlage in Bezug auf Diversität, Sexualität, Diskriminierung, Geschlecht, Gesundheit und Leistungserwartung. Zudem muss sich das binäre Sozialhilfesystem an die Bedürfnisse anderer Bevölkerungsgruppen als der Mehrheitsgesellschaft anpassen und flexibel gestaltet werden, damit sich die Situation für Klient*innen und für Einrichtungen verbessert. Die Relevanz einzelner Maßnahmen ist nicht zu unterschätzen und trotzdem ist Symbiose aller Maßnahmen eine unabdingbare Schnittstelle. Das sorgt auch für die Komplexität und die langsame Geschwindigkeit mit der sich aktuell – immerhin einige – Veränderungen vollziehen. Während die Aufrechterhaltung der Hoffnung auf eine Verbesserung des Systems harte Arbeit für Aktivist*innen, queere und wohnungs- oder obdachlose Menschen bedeutet, ist die radikale Zuversicht bis heute ein Akt des Widerstandes, mit dem sich bereits viel getan hat.
1 Die deutsche Mehrheitsgesellschaft kennzeichnet die vermeintlich vorherrschenden Parameter der Bevölkerung. Sie ist weiß, heterosexuell, cis geschlechtlich, christlich, nicht behindert, monogam, mitelständisch und männlich. Personen, auf die diese Atribute zutreffen definieren die kulturelle Norm des Gemeinwesens und gelten als Repräsentant*innen der Gesellschaft. Die Mehrheitsgesellscha ist geprägt von internalisierten Diskriminierungsformen wie Sexismus, Rassismus, Ansemismus, Xenophobie, Klassismus, uvm und vermitelt ein falsches Bild einer nicht-diversifizierten Gesellschaft. Dieses Konstrukt von klassisscher Gesellschaft ist zudem Grund, weshalb queere Menschen sich outen müssen.
2 htps://www.bpb.de <19.12.2023> [Minoritätenstressmodell nach Meyer] 19.12.2023
3 Der Begriff Othering (englisch other: anders) beschreibt die Distanzierung und Differenzierung zu anderen Gruppen, um seine eigene “Normalität“ zu bestägen. Das Konzept des Othering ist aus dem Kontext der postkolonialen Theorie. Othering bedeutet auch, dass Menschen oder Gruppen negative Eigenschaften zugeschrieben werden, die sie von der wahrgenommenen normaven sozialen Gruppe unterscheiden. Othering ist ein ständiger Akt der Kategorisierung und letztlich eine Unterscheidung zwischen "uns" und "den anderen". (htps://vielfalt.uni-koeln.de/andiskriminierung/glossar-diskriminierung-rassismuskrik/othering <24.12.2023>
4 Vgl. ebd., S. 32
5 Die queere Community setzt sich zusammen aus queeren Menschen und aus nicht-queeren Menschen, die unterstützend agieren. Sie werden in diesem Kontext meistens als Allys (englisch ally: Verbündete*r) genannt.
6 Dr. Constance Ohms, 2019, S. 97
7 BAG Wohnungslosenhilfe, 2021, S. 3
8 Dr. Constance Ohms, 2019, S. 15
9 BAG Wohnungslosenhilfe, 2021, S. 2
10 Dr. Constance Ohms, 2019, S. 98
11 BAG Wohnungslosenhilfe, 2021, S. 2
12 Vgl. ebd., S. 7
13 Dr. Constance Ohms, 2019, S. 99
14 www.deutschlandfunknova.de <22.12.2023> [Gleichstellung Frau und Mann] 22.12.2023
15 BAG Wohnungslosenhilfe, 2021, S. 2
16 Vgl. ebd., S. 7
17 BAG Wohnungslosenhilfe, 2021, S. 6
Literaturverzeichnis
Dr. Constance Ohms: Wohnungslosigkeit und Geschlecht. Sexuelle Orienerung und Geschlechtsidentät als Risikofaktoren für und in Wohnungs- bzw. Obdachlosigkeit, Frankfurt am Main: c/o Broken Rainbow e.V., 2019
BAG Wohnungslosenhilfe: Empfehlung zur Ausgestaltung der Angebote für trans* und inter* Menschen in der Wohnungsnoallhilfe, 2021
htps://www.bpb.de/themen/gender-diversitaet/homosexualitaet/38863/diskriminierung-von-homo-und-bisexuellen/ <19.12.2023>
htps://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/gleichstellung-mann-und-frau-es-dauert-noch-136-jahre#:~:text=Bis%20zur%20Gleichstellung%20von%20Frau,und%20Bildung%20und%20wirtschaftliche%20M%C3%B6glichkeiten. <22.12.2023>
2 htps://www.bpb.de <19.12.2023> [Minoritätenstressmodell nach Meyer] 19.12.2023
3 Der Begriff Othering (englisch other: anders) beschreibt die Distanzierung und Differenzierung zu anderen Gruppen, um seine eigene “Normalität“ zu bestägen. Das Konzept des Othering ist aus dem Kontext der postkolonialen Theorie. Othering bedeutet auch, dass Menschen oder Gruppen negative Eigenschaften zugeschrieben werden, die sie von der wahrgenommenen normaven sozialen Gruppe unterscheiden. Othering ist ein ständiger Akt der Kategorisierung und letztlich eine Unterscheidung zwischen "uns" und "den anderen". (htps://vielfalt.uni-koeln.de/andiskriminierung/glossar-diskriminierung-rassismuskrik/othering <24.12.2023>
4 Vgl. ebd., S. 32
5 Die queere Community setzt sich zusammen aus queeren Menschen und aus nicht-queeren Menschen, die unterstützend agieren. Sie werden in diesem Kontext meistens als Allys (englisch ally: Verbündete*r) genannt.
6 Dr. Constance Ohms, 2019, S. 97
7 BAG Wohnungslosenhilfe, 2021, S. 3
8 Dr. Constance Ohms, 2019, S. 15
9 BAG Wohnungslosenhilfe, 2021, S. 2
10 Dr. Constance Ohms, 2019, S. 98
11 BAG Wohnungslosenhilfe, 2021, S. 2
12 Vgl. ebd., S. 7
13 Dr. Constance Ohms, 2019, S. 99
14 www.deutschlandfunknova.de <22.12.2023> [Gleichstellung Frau und Mann] 22.12.2023
15 BAG Wohnungslosenhilfe, 2021, S. 2
16 Vgl. ebd., S. 7
17 BAG Wohnungslosenhilfe, 2021, S. 6
Literaturverzeichnis
Dr. Constance Ohms: Wohnungslosigkeit und Geschlecht. Sexuelle Orienerung und Geschlechtsidentät als Risikofaktoren für und in Wohnungs- bzw. Obdachlosigkeit, Frankfurt am Main: c/o Broken Rainbow e.V., 2019
BAG Wohnungslosenhilfe: Empfehlung zur Ausgestaltung der Angebote für trans* und inter* Menschen in der Wohnungsnoallhilfe, 2021
htps://www.bpb.de/themen/gender-diversitaet/homosexualitaet/38863/diskriminierung-von-homo-und-bisexuellen/ <19.12.2023>
htps://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/gleichstellung-mann-und-frau-es-dauert-noch-136-jahre#:~:text=Bis%20zur%20Gleichstellung%20von%20Frau,und%20Bildung%20und%20wirtschaftliche%20M%C3%B6glichkeiten. <22.12.2023>