Die Auswirkungen des Patriarchats auf die weibliche Sozialisation in der Architektur
1. Einleitung
2. Stand der Forschung
3. Der Status Quo der weiblichen Sozialisation in der Architektur
     3.1 Definitionen und Begriffserklärungen
     3.2 Diskriminierungsbeispiele von weiblich sozialisierten Personen in der 
Architektur
     3.2.1 Bürokultur und die resultierende Unvereinbarkeit von Privatleben und Beruf
     3.2.2 Gesellschaftliche Rollenbilder und deren Folgen
     3.2.3 Nachteile aufgrund von sozialisierter Persönlichkeitsentwicklung
     3.2.4 Sichtbarkeit von weiblich sozialisierten Architekt*innen
4. Fazit
5. Bibliografie

1. Einleitung
Die geschlechterspezifische Forschung gewinnt im Verhältnis zu anderen soziokulturellen Forschungsgebieten immer mehr Bedeutung im gesellschaftlichen Diskurs. Besonders das Patriarchat und der Androzentrismus bilden das zentrale Thema. Es kommen immer mehr Fragestellungen und diverse Modelle zu geschlechtergerechten Lebensweisen auf und Architektur als allumfassend kulturelle Disziplin, welche Räume für diese Lebensweisen schafft, beschäftigt sich zwangsläufig damit. Architekt*innen tragen dabei immer mehr gesellschaftliche Verantwortung.
Häufig als gegebene Umstände in einer immer dynamischer verändernden Umwelt, leiden alle Beteiligten unter den Konsequenzen des Patriarchats. Vor allem weiblich sozialisierte Personen werden täglich mit den Folgen konfrontiert. Deshalb ist es unverzichtbar Lösungen und Strategien zu finden, welche diese Probleme und Beispiele von Diskriminierung bereits in der Ausgangssituation nachhaltig zumindest verbessern. Daraus ergibt sich die Fragestellung:
Welche Beispiele gibt es, die die strukturelle Diskriminierung von weiblich sozialisierten Architekt*innen aufzeigen und damit den Status Quo abbilden und welche sozialen Strukturen bedingen diese?
Das Erkenntnisinteresse ergibt sich aus dem aktuellen soziokulturellen Diskurs, der sich mit Geschlechterdiskriminierung beschäftigen. Da Architekt*innen eine kulturelle Leistung erbringen und die gesamte bebaute wie auch unbebaute Umwelt verändern, führt es auch zu der Frage, wie gleichberechtigt die Architektur ist.
Zwangläufig ergibt sich eine Beschäftigung mit der Geschlechtergerechtigkeit, da vor allem der Feminismus eine allgegenwärtige Diskriminierungsdimension in Zusammenhang mit Geschichte bildet. Besonders weiblich sozialisierte Architekt*innen begegnen häufig veralteten und diskriminierenden Stereotypen und Hindernissen und gleichzeitig fehlen nachhaltige Methoden. Der eigentlich etablierte Konsens eines diversen, inklusiven, nachhaltigen, gesellschaftlichen, multi-funktionalen Berufes, den es gemeinschaftlich zu verfolgen gilt, kontrastiert dabei die patriarchalen und androzentrischen Gegebenheiten. Daraus folgend ergibt sich eine Aufarbeitung des Status Quo der Geschlechtergerechtigkeit in der Architektur mit Fokus auf die soziokulturellen Spezifika und Hintergründe.
Die intensive Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen, feministischen Dynamiken und allumfassenden Diskursen, dient als Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit der Fragestellung. Ziel der Studienarbeit ist es, ein Bewusstsein und Erkenntnisgewinn zu generieren. Dies ergibt sich aus der Aufzählung verschiedener Beispiele konkreter Diskriminierung und den Ursachen und Folgen dieser. Grundsätzlich wird eine Sammlung an Problemen erstellt und untersucht. Abschließend werden mögliche Strategien beleuchtet, um die vorhandene Diskriminierung zu ändern und um Akteur*innen in der Architektur zu einer Hinterfragung der gegenwärtigen Strukturen anzuregen. Daraus resultierend soll eine umfassende Aufmerksamkeit, ein Umdenken und geändertes Vorgehen unter dem Aspekt einer inklusiveren, faireren Zukunft mit maximaler Chancengleichheit ausgelöst werden.


2. Stand der Forschung
In Deutschland und weiteren europäisch geprägten Ländern sind zunehmend öffentliche und beruflich geführte Diskussionen über verschiedene Diskriminierungsformen zu beobachten. Ständig beeinflusst von unserer tatsächlich gebauten Umwelt, geht es auch in der Architektur darum für die Gesellschaft nachhaltig zu planen und inklusive Räume zu generieren. Damit haben Architekt*innen direkten Einfluss auf die Gesellschaft und können bereits im Kindesalter prägend agieren. Im soziokulturellen Diskurs gilt der Feminismus als eines der zentralsten und polarisierendsten Themen, da er auch automatisch eine Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensrealität bedingt. Der aktuelle Forschungsstand zur Rolle von weiblich sozialisierten Personen in der Architektur wird im Folgenden beleuchtet.
Die Ausgangslage zu geschlechtergerechter Architektur erscheint vermutlich gut. Ab 2006 war die Verteilung von weiblichen und männlichen Studierenden erstmals gleich, seit 2016 ist der weibliche Anteil sogar größer. Während die Zahlen der Studierenden eine gleichberechtigte Repräsentation vermuten lassen, findet in der Praxis eine große Unterscheidung statt. Diese gewinnt zunehmend an Aufmerksamkeit. Die Technische Universität München veröffentlichte 2018 unter der Leitung von Sandra Schuster eine Vorstudie über fachkulturell relevante geschlechtergerechte Veränderungen in der Architektur mit dem Titel „Frauen in der Architektur“. Darin bleiben eine Vielzahl und Vielfalt an Forschungsfragen unbeantwortet und zeigen damit auch die erzeugte Lücke der patriarchalen Strukturen auf. Dabei machen „die empirischen und quantitativen Beweise der Studie und ihre Visualisierung sehr deutlich, dass Geschlecht im Architekturberuf ein Thema ist, das nicht allein durch Abwarten geregelt wird“.
(1) Ein weiterer Erkenntnisgewinn der Studie ist der nachweisbare Forschungsbedarf. Während die meiste Literatur thematisch bei historisch disziplinprägenden Architektinnen zu finden war, gibt es zu den konkreten geschlechterdifferenzierten Problemen wenig Information. Vor allem zu „Studium und Karriereentwicklung“(2) fehlt Forschung, was dahingehend relevant ist, da es einen nachhaltigen Einfluss auf Strategien und Handlungsmöglichkeiten hätte, um in der Architektur für mehr Geschlechterfairness zu sorgen und den Karriere-Drop-Out von weiblich sozialisierten Menschen genauer zu untersuchen.
In der Vorstudie der Technischen Universität München wird auch deutlich, dass es eine Vielzahl von Fraueninitiativen in der Architektur gibt, die als prägende Akteure auftreten. Neben
baufrauen, architektinneninitiative nw, DVDP, FOPA, IAWA, PIA und genderWerk, steht vor allem n-ails e.V. mitten im Diskurs. Es steht für ein Netzwerk für Architektinnen, Innenarchitektinnen, Ingenieurinnen, Landschaftsarchitektinnen und Stadtplanerinnen in Berlin und setzt sich für die Vernetzung und Stärkung von Architekt*innen und Planer*innen ein. 2021 wurde erstmals in Kooperation mit der Architektenkammer Berlin das einmonatige Woman in Architecture Festival Berlin mit 30 Akteurinnen und fast 100 Veranstaltungen durchgeführt. Ziel des Festivals war es „einen Raum für die Auseinandersetzung mit den Werken von Frauen und dem längst überfälligen Umbau des Berufsbildes“(3) zu bieten. Die Initiative sieht die Probleme in der Umsetzung geschlechtergerechter Architektur auf mehreren Ebenen. Neben Netzwerken und Kooperationen, also der Aktualisierung des Berufsbildes von Architekt*innen und Stadtplaner*innen, Aufbau von Kooperationen und Stärkung kleiner Büros, steht auch die Förderung der Baukultur im Mittelpunkt. Das Ziel beinhaltet mehr Beteiligung von weiblich sozialisierten Architekt*innen am öffentlichen Diskurs, stärkere Positionierung von weiblich sozialisierten Planer*innen in der Öffentlichkeit und der Fachwelt und eine Vermittlung von Architektur- und Stadtthemen aus deren Perspektive. Des Weiteren gilt Gleichstellung als zentrales Element. Dabei geht es um Chancengleichheit im Berufsleben, Gleichstellung und Gleichbehandlung aller Kammermitglieder, geschlechtersensibler Auftritt und geschlechtergerechte Berufspolitik der Kammer.(4)
Katja Domschky von der architektinneninitiative nw und Elke Duda, Teil des Netzwerks n-ails und Mitinitiatorin und Koordinatorin des Women in Architecture Berlin 2021 Festivals, führen die Diskriminierung weiblich sozialisierter Architekt*innen mitunter auf den Punkt der Erwartungshaltung von Architekturbüros an ihre Angestellten zurück.(5,6) Noch heute wird von Mitarbeitenden eine ständige Verfügbarkeit erwartet. Zusammenhängend mit dem noch geltenden Rollenbild, dass weiblich sozialisierte Personen für die Familie zuständig sind und häufiger in Teilzeit arbeiten,(7) gelangen diese im Laufe ihrer Karriere irgendwann an einer gläsernen Decke an. Ihnen wird keine Projektleitung und grundsätzlich weniger Verantwortung übertragen.(8)
Verschiedene fachspezifische Architekturzeitschriften und -verläge stellen als regelmäßiges Publikationsmedium ebenfalls eine relevante Diskursbeteiligung dar. Die Architekturzeitschrift BAUWELT veröffentlichte im August 2021 eine Ausgabe über das Thema geschlechtergerechte Architektur und widmete damit dem Thema ‚Geschlecht und Architektur‘ erstmals ein ganzes Heft. Es behandelt Themen wie Unangepasstheit, Normkritik, Insistieren auf Differenz und Bürokultur, um Architektur gleichberechtigter zu gestalten. Auch die BAUMEISTER veröffentlich im März 2021 eine Ausgabe, die sich unter anderem mit der Fragstellung, ob es weiblich sozialisierte Architekt*innen schwieriger haben und ob die Zukunft der Architektur weiblich ist, beschäftigt. Darin berichten Sielke Schwager, Maike Holling und Stephanie Bücker vom Architekturbüro MS Plus Architekten, dass sie als weiblich geführtes Büro „bei den Kunden häufig nicht den Vertrauensvorschuss, den vielleicht ein männlicher Kollege hätte“, haben. Gerade weiblich sozialisierte Architekt*innen mit Kindern stimmen Auftraggeber*innen erst einmal misstrauisch.(9) Dies wird auch in Interviews in der Vorstudie der Technischen Universität München bestätigt.(10) Zurückzuführen ist dies auf ein stereotypisiertes Rollenbild von weiblich sozialisierten Menschen und die dazugehörige Arbeitsverteilung von Reproduktionsarbeit und Care-Arbeit.(11,12)
2018 wurde über den Architects‘ Council of Europe (ACE) die Task Force “Woman in Architecture” eingerichtet. Als Dachverband der Architekt*innen vertritt er die Interessen seiner Mitglieder gegenüber den europäischen Institutionen. Beginnend mit einer Bestandsaufnahme in verschiedenen Ländern und in anschließender Rücksprache mit Fraueninitiativen wurde der Katalog „Sichtbar machen“ fertig gestellt. Ralf Niebergall als „Head of Delegation“ der deutschen Delegation im ACE betreute das Thema Chancengleichheit als einzig männlich sozialisierte Person und sieht die Defizite in einer Mischung aus fehlerhafter Bürokultur mit einer 24/7 Erreichbarkeit, Überstunden und gesellschaftlichen Rollenbildern der Geschlechter: „Der Mann wird deutlich schiefer angeschaut, wenn er in Teilzeit geht, um die Kinderbetreuung zu übernehmen. Aber es findet ein Umdenken in der Gesellschaft statt und junge Männer haben eine andere Position zur Work-Life-Balance. Das ist eine Kulturfrage. Doch bei paritätisch besetzten Führungsriegen ist es oft der Mann, der die Verträge hält und in die Wettbewerbsjurys berufen wird.“(13)


3. Der Status Quo der weiblichen Sozialisation in der Architektur

In der geschlechterspezifischen Forschung und der gesellschaftlichen Dynamik, welche diese nach sich zieht, entstehen immer genauere Begrifflichkeiten, um bestimmte Gruppen an Personen zu definieren, anzusprechen und um allgemein für verschiedene Lebensrealitäten zu sensibilisieren. Im nächsten Abschnitt werden unterschiedliche allgemeine Begrifflichkeiten in Bezug auf Geschlechtergerechtigkeit erläutert.
3.1 Definitionen und Begriffserklärungen
Geschlecht
Um die Komplexität von Sozialstrukturen und der damit resultierenden sozialen Ungleichheit in Bezug auf das Geschlecht als zentrale Determinante verständlich zu machen, bedingt es einer Auseinandersetzung mit den verschiedenen Bevölkerungsgruppen, die im Folgenden behandelt werden. In der geschlechtsspezifischen Forschung wird primär in die aus dem Englischen stammenden und differenzierten Definitionen von gender und sex unterschieden. In der deutschen Sprache wird beides mit dem Wort ‚Geschlecht‘ übersetzt. Gender beschreibt dabei allerdings die durch die geschlechtsspezifische Sozialisation erworbene Geschlechtsidentität, also eine naturalisierte, gesellschaftliche Konstruktion, während sex das biologische Geschlecht bezeichnet.(14) In der folgenden Arbeit wird sich mit den Folgen von geschlechterspezifischer Sozialisation, also dem gender, in der Architektur beschäftigt. Im weiteren Verlauf wird gender mit ‚Geschlecht‘ übersetzt.
Geschlechtsspezifische Sozialisation
Die bisher noch wenig erforschte geschlechtsspezifische Sozialisation bezeichnet einen Prozess, bei welchem Individuen geschlechtsspezifisches und geschlechtsdifferenziertes Verhalten entwickeln, es lernen und anschließend auch ausleben. Dieses wird über internalisierte Geschlechtsnormen und -regeln erreicht, indem sie mit den Hauptakteur*innen ihres Lebens während der Sozialisation interagieren. Meistens ist das die Familie, ein soziales Netzwerk oder andere soziale Institutionen, wie beispielsweise die Schule. Eine geschlechtsspezifische Sozialisation entsteht durch das Verbreiten von Stereotypen, wie etwa dem Glaubenssatz, dass Frauen emotionaler als Männer sind. Des Weiteren bezeichnet das Ausleben von geschlechtsspezifischem Verhalten eine Vorstellung, dass „Geschlecht durch die alltägliche Ausführung der den Geschlechtskategorien zugewiesenen Rollen konstituiert und durch die methodischen und routinemäßigen Praktiken reproduziert wird.“(15)
Weibliche und männliche Sozialisation
‚Weiblich sozialisiert‘ ist ein Begriff, der im Dekonstruktivismus von Geschlecht entstand. Dabei geht es zentral um die Akzeptanz vielfältiger und variabler geschlechtlicher Zuordnungen und um eine radikale Dekonstruktion der binären Geschlechterordnung von weiblich und männlich. Die geschlechtsspezifische Sozialisation einer Person ist dabei unabhängig von ihrem bei der Geburt zugeordneten biologischen Geschlecht, also dem sex. ‚Weiblich sozialisiert‘ bedeutet, dass eine Person in einem gesellschaftlichen, sozialen Konstrukt aufgewachsen ist, in welchem diese Person als weiblich, also als Frau, gelesen wird und basierend auf Geschlechterrollen und -stereotypen als solche behandelt wird. Dafür muss eine Person nicht als weiblich geboren sein oder sich selbst als weiblich identifizieren. So kann eine trans Frau genauso weiblich sozialisiert sein wie eine cis(16) Frau. Auch nicht-binäre, desgleichen als divers, intersexuell oder agender bezeichnet oder auch als biologisch männlich geborene Menschen können weiblich sozialisiert sein. Beispiele für geschlechtsspezifische Sozialisation, die vor allem bei Kindern am prägendsten ist, sind unterschiedliche Farben, Spielzeuge und Beschreibungen. Während Frauen mit der Farbe rosa, Puppen und Beschreibungen zu ihrem Aussehen konfrontiert sind, wird Männern blau, Autos oder Bagger und Bemerkungen zu ihren Leistungen, beispielsweise zu ihrer physischen Stärke, zugeordnet.(17) Weiblich sozialisierte Personen sind heutzutage immer noch häufig für die Pflege der Familie zuständig und männlich sozialisierte für die Erwerbstätigkeit. Durch das Aufrechthalten solcher Stereotypen werden diese reproduziert und führen zu der Beibehaltung des Patriarchats und des Androzentrismus. Das Verständnis von geschlechtsspezifischer Sozialisation ist elementar, um Geschlechterungerechtigkeit zu überwinden. Diverse Theorien beschreiben dabei, dass man sich gesellschaftlich von Kategorien zu Geschlecht und Sexualität entfernen sollte, um sich auch von einer kategoriespezifischen Sozialisation zu entfernen. Des Weiteren entstehen im Zuge des Feminismus immer mehr Begriffe und Definitionen, um entsprechende vom Patriarchat marginalisierte Gruppen sichtbar zu machen und ein Bewusstsein für unterschiedliche Sozialisation und Lebensrealitäten zu schaffen. In der folgenden Arbeit werden zur einfacheren Verständlichkeit die Begriffe weiblich und männlich sozialisiert verwendet, um die Probleme und Unterschiede der Geschlechter in der Architektur zu erklären.
3.2 Diskriminierungsbeispiele von weiblich sozialisierten Personen in der Architektur
Verschiedene Beispiele konkreter Diskriminierung und Defizite, welche aus diversen Ausgangssituationen heraus entstehen, werden im Folgenden thematisiert. Dabei sollen die Gründe und die Konsequenzen dieser aufgezeigt werden und auch mögliche Lösungen oder Schritte zur Verbesserung untersucht werden. Kollektiv ergeben diese Beispiele den Status Quo des Umgangs mit weiblich sozialisierten Personen in der Architektur.

3.2.1 Bürokultur und die resultierende Unvereinbarkeit von
Privatleben und Beruf

Die Gründe, welche zu der Diskriminierung von weiblich sozialisierten Personen führen oder dazu beitragen, sind vielseitig bedingt und häufig komplex miteinander verwoben. Ein Grund, welcher sich speziell auf die Architekturbranche bezieht, ist die Bürokultur, die trotz immer neu aufkommender Arbeitsmethoden und Modernisierung des Arbeitsalltags vor allem die Situation von weiblich sozialisierten Architekt*innen benachteiligt oder negativ begünstigt. Ein typisches Arbeitsmodell sind Überstunden und eine Erwartungshaltung einer 24/7 Erreichbarkeit.(18) 40 Prozent der Beschäftigten arbeiten laut der Bundes Architekten Kammer fünf bis zehn wöchentliche Überstunden.(19) In Zusammenhang mit Aufgabenbereichen, die vor allem weiblichen sozialisierten Menschen zugeschrieben werden, ist eine Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben gar nicht mehr möglich. Weiblich Sozialisierte leisten laut dem zweiten Gleichstellungsbericht der Bunderegierung im Alltag im Vergleich zu männlich sozialisierten Personen bedeutend mehr Care-Arbeit. Care-Arbeit beinhaltet „Tätigkeiten der Haushaltsführung (einschließlich Reparaturarbeiten, Gartenpflege, Sorge für Tiere), Pflege und Betreuung von Kindern und Erwachsenden, ehrenamtliches Engagement und informelle Hilfen für andere Haushalte.“(20) Errechnet wird der Gender Care Gap, „indem der Unterschied beim täglichen Zeitaufwand für unbezahlte Sorgearbeit von Frauen und Männern zum täglichen Zeitaufwand für unbezahlte Sorgearbeit der Männer ins Verhältnis gesetzt wird. Er wird mit den repräsentativen Daten der Zeitverwendungserhebung des Statistischen Bundesamtes berechnet.“(21) Der Gender Care Gap beträgt, errechnet auf der Basis der letzten Zeitverwendungserhebung von 2012/2013, 52,4 Prozent. Das bedeutet, dass Frauen täglich 52,4 Prozent mehr unbezahlte Care-Arbeit als Männer leisten. Dies ein Zeitaufwand von einer Stunde und 27 Minuten, welcher in Haushalten mit Kindern sogar deutlich über dem Durchschnitt liegt.(22) Allein diese Verteilung sorgt dafür, dass es weiblich sozialisierten Menschen nicht möglich ist die gleiche Anzahl an Arbeit und vor allem nicht an Überstunden zu leisten und damit der Erwartungshaltung der Büros gerecht zu werden. Dieses Narrativ von Bürokultur bevorzugt eine männliche Sozialisation und hat wiederum eine Umverteilung von Aufgaben, Prioritäten und Verantwortung innerhalb der Bürostruktur zur Folge.
Die Schwierigkeit der Vereinbarkeit von Bürokultur und Privatleben führt dazu, dass vor allem weibliche sozialisierte Architekt*innen häufiger dazu tendieren einen Beruf in der Baubehörde auszuüben. Geregelte Arbeitszeiten, Überstundenabbau und eine deutlich leichtere Reintegration nach der Elternzeit machen einen behördlichen Arbeitsplatz zu einem sichereren und attraktiverem Ort.
(23) Auch in der Architektur gibt es einen Gender Pay Gap von „bis zu 25 Prozent, in vergleichbaren Unternehmen eine Differenz von sechs Prozent.“ Dahinter steckt zwar ein komplexes strukturelles Problem, welches aber in die Thematik, dass weiblich sozialisierte Menschen sich häufiger für eine behördliche Karriere entscheiden, bestärkt. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaft ist im öffentlichen Bereich aufgrund der tariflichen Regelungen und der Transparenz eine Zahlungsgleichheit gewährleistet.(24) Immer weniger weiblich sozialisierte Architekt*innen möchten den Gender Pay Gap akzeptieren und wählen auch aus Gründen der Prävention eines Gender Pension Gaps einen Beruf in der Baubehörde.(25)
Je nach Tätigkeit innerhalb des Büros gilt auch die Baustelle als präsentes Arbeitsumfeld. Dabei gelten Baustellen als „ein stark männlich kodierter Ort, an dem Frauen, egal in welcher beruflichen Position, eine Ausnahme darstellen“.(26) Das zeigt sich an Beispielen aus der Praxis. So ist die Infrastruktur von Baustellen häufig gar nicht auf die Bedürfnisse von weiblich sozialisierten Menschen ausgelegt. Beispielhaft können hier banale Einrichtungen wie Toiletten genannt werden. Des Weiteren ist die Baustelle ein Ort höchster technischer Kompetenz, eine Eigenschaft, welche zu Unrecht eher den männlich-gelesenen Architekt*innen zugesprochen wird. Personen, die weiblich gelesen werden, müssen sich den Vertrauensvorschuss männlich sozialisierter Architekt*innen erst erarbeiten.(27) Dies dazu führt, dass ihre Autorität nicht anerkannt wird und sie zuerst überzeugen müssen. Die damit reproduzierten Vorurteile sorgen dafür, dass viele weiblich sozialisierte Architekt*innen die Baustelle als ein unangenehmes Arbeitsumfeld wahrnehmen(28) und dazu tendieren in den planenden Leistungsphasen zu agieren. Dadurch findet allerdings auch keine Änderung der Problematik auf Baustellen statt.
Vernetzung innerhalb der Branche ist ein Kernelement in der Architektur, welches zu Aufträgen und damit auch zu Erfolg für Unternehmen führt. Dafür gibt es eigene Netzwerke und auch die Architekturkammern bilden ein solches ab. Diese sind allerdings oft auf veralteten Strukturen aufgebaut, da einzelne Personen lebenslang Mitglieder sind und die Verteilung als Folge dessen männlich dominiert ist. Interviews von weiblich sozialisierten Architekt*innen zufolge wird oft nicht die Möglichkeit gegeben in entsprechenden Netzwerken zu agieren,
(29) obwohl diese viel zielführender erscheinen. Als Gegenbewegung dazu haben sich eine Vielzahl an Architekt*inneninitiativen, unter anderem baufrauen, DVDP, FOPA, IAWA, PIA, n-ails, genderWerk oder architektinneninitiative nw, gegründet, die sich mit der Überwindung des Patriarchats in der Architektur beschäftigen.

3.2.2 Gesellschaftliche Rollenbilder und deren Folgen
Auch in der Architektur finden sich die gesellschaftlichen Stereotypen von Geschlechtern als Problem wieder. Da weiblich sozialisierte Personen häufig immer noch für die Familie zuständig sind, arbeiten sie auch mehr in Teilzeit. 2018 waren nur 52,1 Prozent der Frauen Vollzeit erwerbstätig, während es bei den Männern 88,8 Prozent waren.(30) Dadurch wird ihnen in Architekturbüros zu Unrecht keine Projektleitung und grundsätzlich weniger Verantwortung übertragen. Weiblich sozialisierte Architekt*innen begegnen dabei immer wieder dem Hindernis einer möglichen Schwangerschaft. Studien haben aufgezeigt, dass nach der Bekanntgabe einer Schwangerschaft die betroffenen Angestellten nur noch Routinearbeiten „oder weniger verantwortungsvolle Aufgaben zugeteilt bekommen“.(31) 
Vorangehend fällt auf, dass Personen, die möglicherweise schwanger werden könnten, von Beginn an aus dem Blickfeld fallen oder die Wiedereingliederung in den Beruf nach einer Pause erschwert wird. Außerdem werden nach einer familiär bedingten Unterbrechung des Berufes häufig nur noch Aufgaben eines niedrigeren Anspruchs vergeben.
(32)
Ein anderer Stereotyp, welcher zu der Diskriminierung beiträgt, ist das Verständnis, dass bestimme Aufgaben und die Verteilung von Zuständigkeiten einem bestimmten Geschlecht zugeordnet werden. Reproduktionsarbeit und Haushalt gelten als weiblich, während Erwerbstätigkeit männlich assoziiert ist. Durch diesen gesellschaftlich bedingten Zusammenhang und dem Zusammenhang von Architektur und Geld, wird die Branche als männlich assoziiert. Das macht es für weiblich sozialisierte Menschen zusätzlich schwieriger sich zu etablieren. Diese Stereotypen kommen noch von einem Familienbild, indem Frauen den Männern „untergeordnet und finanziell von ihnen abhängig“(33) waren. Zwar gibt es in Deutschland „die Annahme und das Selbstbild, dass Gleichberechtigung/Gleichheit zwischen den Geschlechtern besteht und dies unbedingt wünschenswert sei“, aber in der praktischen Umsetzung gibt es nach wie vor noch eine geschlechterspezifische Verteilung von Aufgaben. Die zuvor angesprochene Care-Arbeit ist dabei eine Folge dieser Verteilung, zudem sorgt es dafür, dass männlich sozialisierte Personen sich für Elternzeit mehr rechtfertigen müssen.(34) Im Zusammenhang mit den Arbeitsverhältnissen in der Architektur, die eine volle Hingabe zum Beruf und eine Unterordnung des Privatlebens, Drängung zu Überstunden, Wochenendarbeit und Verzicht auf Urlaub, fordern, ist es schwierig bis unmöglich diese Stereotypen zu überwinden, ohne auf essenzielle Bestandteile des eigenen Lebens zu verzichten. Das erhöht den Druck für alle Beteiligte „sich für gerechte und angemessene Arbeitszeiten und -formen einzusetzen. Die Probleme, die durch ein solche Arbeitssituation entstehen, erscheinen als individuelles Problem und führen eher zu Selbstzweifeln als zu einer Kritik an den Arbeitsverhältnissen“.(35)
In Führungspositionen sitzen überdurchschnittlich viele männlich sozialisierte Architekt*innen, wodurch auch häufiger Gleichgesinnte gefördert werden.(36) Stereotypisch männliche Eigenschaften wie strenges Auftreten oder ein hohes technisches Verständnis werden dabei als passender für die Architekturbranche empfunden und weibliche sozialisierte Personen erfahren gleiche Förderung nur, wenn sie entsprechende Eigenschaften im Laufe der Karriere übernehmen. Dabei fehlt „eine Anerkennung, Aufwertung oder Neutralisierung im Sinne einer De-Thematisierung von Weiblichkeit“.(37) Interviews zufolge entsteht bei weiblich sozialisierten Architekt*innen dadurch ein anderer Druck an die Erwartungshaltung in Bezug auf die eigene Leistung und das eigene Verhalten.(38)

3.2.3 Nachteile aufgrund von sozialisierter Persönlichkeitsentwicklung
Bereits beginnend im Kinderalter werden Faktoren festgelegt und beeinflusst, die für die meisten Menschen unbewusst dazu führen, welches Berufsfeld später verfolgt wird. Junge Mädchen werden in ihrem freien Entdeckungswillen eingeschränkt erzogen, da sich grundlos mehr um sie gesorgt und es eher befürchtet wird, dass ihnen etwas zustößt. Mädchen trauen sich im Gegensatz zu Jungen im Kindesalter nur die Hälfte der Distanz zu, wenn es darum geht sich frei und ohne Grenzen von Zuhause zu entfernen und einfach die Welt zu entdecken.(39) Folgen für die berufliche Karriere lassen sich dann erkennen, wenn die entwicklungsbedingten Folgen betrachtet werden. Durch die Einschränkung des Entdeckungswillen wird auch die Entwicklung des Navigationssystems eingeschränkt, welches essenzielle Auswirkungen auf andere Gehirnareale hat. Die Leistung und Ergebnisse von Kindern bei kleinmaßstäblichen räumlichen Tests ist ein starker Indikator der akademischen Errungenschaften in der Zukunft in den STEM-Fächern (sience, technology, engineering, mathematics). Für viele Berufe in der Architektur, dem Grafikdesign, der Chirurgie, dem Ingenieurwesen, der Mechanik oder der Raumfahrttechnik muss man Freiformen im Kopf wahrnehmen und rotieren können. Dies ist eine Eigenschaft, die durch das Navigationssystem beeinflusst wird.(40)
Des Weiteren entwickeln männlich sozialisierte Personen leichter einen Zugang zu Architektur, da Planungsstandard und die Sicherheit im gebauten und öffentlichen Raum androzentrisch ausgerichtet sind. Nach Betreten eines Raumes suchen Menschen automatisch nach Resonanzen mit den anwesenden Personen und Gegenständen. Je nachdem wie gut das funktioniert und auf welche Art und Weise, beeinflusst auch, ob man sich deplatziert fühlt. Männlich sozialisierten Personen „erscheinen Dinge, die Räume und Umgebungen prägen, als gegeben – sie rücken nicht in das Feld der eigenen Aufmerksamkeit. Dazu kommt, dass bestimmten als privat zu bezeichnenden Aspekten, zu denen auch Fragen der Identität, der Partnerschaft und der Familie zählen, bewusst die (männliche) Aufmerksamkeit entzogen wird, aus dem Wissen um ihre das Selbst stabilisierende Funktion. Bequemlichkeit, Ungezwungenheit und Einvernehmen bestimmen öffentliches Auftreten, Handeln und Interaktionen in männlich dominierten Kontexten, wie Frauen immer wieder berichten.“(41)
In Interviews berichten weiblich sozialisierte Architekt*innen, dass sie es selbst so empfinden, dass es männlich sozialisierten Personen weniger leichtfällt, Fehler einzugestehen und eigene Schwächen zuzulassen. In einem Berufsbild, welches allerdings ein ständiges Hinterfragen und Neudenken bedingt, sind das schwer zu vereinende Eigenschaften. Es hat zur Folge, dass weiblich Sozialisierte in einer Fachwelt, die weder Schwächen noch Fehlern einen Raum bietet, Schwierigkeiten haben sich selbst mit dieser Sozialisation zu etablieren. Zugrunde liegt dem auch, dass Berufe in der Architektur sehr angesehen sind und auch eine gewisse gesellschaftliche Erwartungshaltung mit sich bringen.(42)
3.2.4 Sichtbarkeit von weiblich sozialisierten Architekt*innen
Die Sichtbarkeit und damit auch die Aufmerksamkeit, die weiblich sozialisierte Architekt*innen im Vergleich zu männlich sozialisierten Kolleg*innen bekommen, ist deutlich geringer, obwohl gleich viele weibliche und männliche Personen das Studium abschließen.(43) Dadurch fehlen Vorbilder zur Identifikation. Beginnend im Studium fällt das Ungleichgewicht an wissenschaftlichem Personal an deutschen Architekturfakultäten der Hochschulen auf. 2016 lag der Frauenanteil bei 37 Prozent. Zwar ist er im Vergleich zu 2006 mit 29 Prozent schon gestiegen, aber die anteilsmäßige gleiche Repräsentation wird damit trotzdem nicht erreicht.(44)
Ein entsprechendes Ungleichgewicht findet sich auch simultan in anderen repräsentativen Bereichen. Nach Nennung in sechs deutschen und fünf ausländischen Architekturfachzeitschriften im Erhebungszeitraum Juli/August 2017 waren unter den Top 20 der deutschen Architekturbüros kein Büro, welches allein von einer Frau oder einem Team aus Frauen geführt wurde. Bei neun Büros befinden sich in der Führungsebene ausschließlich Männer, bei elf ist eine Frau unter mehreren Partnern.(45)
Seit 1979 wird jährlich der Pritzker-Architekturpreis verliehen, welcher auf internationaler Ebene als die wichtigste Preisverleihung in der Architektur überhaupt betrachtet wird und jedes Jahr für großes Aufsehen sorgt. Von insgesamt 47 Preisträger*innen sind nur fünf weiblich, also circa elf Prozent. Nicht nur einmal ist es in der Vergangenheit dazu gekommen, dass gleichberechtigte weibliche Büropartnerinnen nicht ausgezeichnet wurden, die Männer hingegen schon. Beispielsweise wurde 2021 der Pritzker-Preis an den chinesischen Architekt Wang Shu verliehen, aber seine Geschäftspartnerin Lu Wenyu nicht. Das kam bereits 1991 vor, als Robert Venturi, im Gegensatz zu seiner Ehefrau Denise Scott Brown, ausgezeichnet wurde. Trotz zahlreicher Aufforderungen von Robert Venturi und mehreren Petitionen, weigerte sich die Jury sie nachträglich zu nominieren.(46) Auf nationaler deutscher Ebene, zeichnet sich beim deutschen Architekturpreis ein ähnliches Bild ab. 2017 waren nur 32 Prozent der Preisträger*innen weiblich. 2015 sogar nur 15 Prozent.(47)
Auch bei Ausstellungen und Diskussionsrunden bekommen weiblich sozialisierte Architekt*innen weniger Repräsentation. 2014 zeigte das Royal Institute of British Architects die Ausstellung „The Brits Who Built the Modern World 1950 – 2012“ mit der Teilnahme des Büros Hopkins Architects. Dabei wurde die gleichberechtigte Partnerin Petty Hopkins sogar aus dem Pressefoto retuschiert.(48) Zwischen 2007 und 2016 war der Anteil der weiblichen Vortragenden und Ausstellenden in der architekturgalerie München zwischen 18 und 38 Prozent.(49) Diese Verteilung ist allgemein auf Podien und Diskussionsrunden zu beobachten, welche überdurchschnittlich von männlich sozialisierten Personen in der Architektur besetzt sind. Würde man eine paritätische Verteilung von 32 Prozent Kammermitgliedschaften von Frauen im Jahr 2014 annehmen, war auch dann der weibliche Anteil auf entsprechenden Veranstaltungen unterrepräsentiert.(50)


4. Fazit
Das Umdenken und eine Neukonnotation oder sogar Abschaffung von Geschlechtsspezifika bildet immer wieder und immer mehr den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Diskurses. Architektur als Abbild und Disziplin, die im soziokulturellen Wandel agiert, muss sich zwangsläufig den Veränderungen annehmen. Die aufgezeigten Beispiele konkreter Diskriminierung zeigen inwiefern sie miteinander verwoben sind und an welchen Punkten angesetzt werden muss, um die Veränderung hin zu einer höheren Chancengleichheit für alle Geschlechter und Sozialisation zu ermöglichen. Strategien für die Gleichberechtigung gibt es viele. Beginnend mit den Hierarchieebenen, können die Architekturkammern dafür sorgen, dass eine Novellierung der Wahlordnung und der Hauptsatzung der Kammern im Sinne der Gleichstellung von weiblich sozialisierten Kammermitgliedern gilt. Auf Veranstaltungen könnte eine Parität hergestellt werden und dadurch die Sichtbarkeit von konkreten Tätigkeiten und Erfolgen, sowie der Kompetenz weiblich sozialisierter Architekt*innen gefördert werden. Als Folge dessen würde es junge Absolvent*innen dazu ermutigen das erreichte Potential nach dem Studium zu erhalten und auszubauen, unter anderem durch eine bessere Vernetzung. Außerdem müssen Lösungswege für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gefunden werden, bis sich die gesellschaftlichen Stereotype ändern. Bis das erreicht ist, braucht es ein Sichtbarmachen der Gerechtigkeitslücken bei den Arbeitsbedingungen und die Möglichkeit einer Ansprechstelle für übergriffige und bedrohliche Situationen in problematischen Arbeitsumfeldern. Die planerischen Regulierungen, die es benötigt, um vor allem bedrohliche Räume in der Praxis zu vermeiden, sind zusätzlich zu den soziokulturellen Veränderungen erforderlich. Auch ein höheres Engagement seitens der Beteiligten, vor allem der nachkommenden Generation an Architekt*innen, ist wichtig, um Geschlechtergerechtigkeit auch in der Architektur umzusetzen. Eine Auseinandersetzung mit den eigenen Privilegien ist für das Übernehmen von gesellschaftlicher Verantwortung unerlässlich. Dass sich aktuell so viele Initiativen, Diskussionsrunden, sogar ganze Festivals rund um das Thema ergeben, zeigt die Dringlichkeit eines Wandels und Beteiligte, vor allem in Politik, Lehre und Führungspositionen, werden sich immer mehr mit der Frage nach Chancengleichheit für alle Geschlechter beschäftigen müssen.
1 https://mediatum.ub.tum.de <19.01.2022> [Frauen in der Architektur], S. 54, 19.01.2022
2 vgl. https://mediatum.ub.tum.de <19.01.2022> [Frauen in der Architekur], S. 53, 19.01.2022
3 vgl. https://wia-berlin.de <19.01.2022> [Women in Architecture Festival 2021 Berlin] 19.01.2022
4 https://n-ails.de <19.01.2022> [Ziele von n-ails] 19.01.2022
5 vgl. Flagner/Bruun Yde, 17/2021, S. 22-25
6 vgl. Fahrenholz, 3/2021, S. 38-41
7 https://www.bpb.de <19.01.2022> [Voll- und Teilzeitbeschäftigte] 19.01.2022
8 vgl. Fahrenholz, 3/2021, S. 38-41
9 vgl. Peters, 3/2021, S. 34-37
10 https://mediatum.ub.tum.de <19.01.2022> [Frauen in der Architektur], S. 32, 19.01.2022
11 Care-Arbeit, teilweise auch Pflegearbeit, bezeichnet Tätigkeiten des Pflegens und Sich-Kümmerns. Darunter fallen Kinderbetreuung oder Altenpflege, aber auch familiäre Unterstützung, häusliche Pflege oder Hilfe unter Freunde*innen.
12 vgl. https://mediatum.ub.tum.de <19.01.2022> [Frauen in der Architektur], S. 17, 19.01.2022
13 vgl. Flagner/Bruun Yde, 17/2021, S. 22-25
14 Artus, 2022, S. 16
15 vgl. https://www.unicef-irc.org <19.01.2022> [Gender Socialization], S. 3, 19.01.2022, übersetzt aus dem Englischen
16 cis, kurz für cisgender oder cisgeschlechtlich, ist eine Bezeichnung für Personen, bei denen die geschlechtsspezifische Sozialisation mit dem bei der Geburt zugeordneten geschlechtsspezifischen Genitalien übereinstimmt. Cisgender ist somit das Gegenteil von transgender.
17 vgl. https://blogs.unicef.org <19.01.2022> [What is gender socialization] 19.01.2022, übersetzt aus dem Englischen
18 vgl. Flagner/Bruun Yde, 17/2021, S. 22-25
19 https://mediatum.ub.tum.de <19.01.2022> [Frauen in der Architektur], S. 85, 19.01.2022
20 vgl. https://www.bmfsfj.de <19.01.2022> [Zweiter Gleichstellungsbericht], S. 12, 19.01.2022
21 https://www.bmfsfj.de <19.01.2022> [Zweiter Gleichstellungsbericht], S. 11, 19.01.2022
22 vgl. https://www.bmfsfj.de <19.01.2022> [Zweiter Gleichstellungsbericht], S. 12, 19.01.2022
23 vgl. https://mediatum.ub.tum.de <19.01.2022> [Frauen in der Architektur], S. 23, 19.01.2022
24 Flagner/Bruun Yde, 17/2021, S. 22-25
25 Der Gender Pension Gap zeigt die Auswirkungen der geschlechterstereotypen Arbeitsteilung bei der Orientierung des Alterssicherungssystems allein auf Erwerbsarbeit. Die Höhe der eigenen Alterssicherungsleistungen bilanziert damit den Lebensverlauf. Frauen beziehen deutlich geringere Renten als Männer. Sie erhielten 2015 im Durchschnitt um 53 Prozent niedrigere eigenständige Alterssicherungsleistungen als Männer.
26 vgl. https://mediatum.ub.tum.de <19.01.2022> [Frauen in der Architektur], S. 33, 19.01.2022
27 vgl. Peters, 3/2021, S. 34-37
28 https://mediatum.ub.tum.de <19.01.2022> [Frauen in der Architektur], S. 34, 19.01.2022
29 vgl. Peters, 3/2021, S. 34-37
30 https://www.bpb.de <19.01.2022> [Voll- und Teilzeitbeschäftigte] 19.01.2022
31 vgl. https://mediatum.ub.tum.de <19.01.2022> [Frauen in der Architektur], S. 21, 19.01.2022
32 vgl. ebd., S. 22
33 vgl. https://mediatum.ub.tum.de <19.01.2022> [Frauen in der Architektur], S. 17, 19.01.2022
34 Flagner/Bruun Yde, 17/2021, S. 22-25
35 https://mediatum.ub.tum.de <19.01.2022> [Frauen in der Architektur], S. 45, 19.01.2022
36 ebd., S. 32
37 vgl. ebd., S. 33
38 vgl. ebd., S. 45
39 Bond, 2020, S. 31, übersetzt aus dem Englischen
40 vgl. ebd., S. 114, übersetzt aus dem Englischen
41 vgl. Lange, 17/2021, S. 20-21
42 https://mediatum.ub.tum.de <19.01.2022> [Frauen in der Architektur], S. 48, 19.01.2022
43 Flagner/Bruun Yde, 17/2021, S. 22-25
44 vgl. ebd., S. 22-25
45 vgl. https://mediatum.ub.tum.de <19.01.2022> [Frauen in der Architektur], S. 94, 19.01.2022
46 vgl. Fahrenholz, 3/2021, S. 38-41
47 https://mediatum.ub.tum.de <19.01.2022> [Frauen in der Architektur], S. 87, 19.01.2022
48 vgl. Fahrenholz, 3/2021, S. 38-41
49 https://mediatum.ub.tum.de <19.01.2022> [Frauen in der Architektur], S. 50, 19.01.2022
50 vgl. Fahrenholz, 3/2021, S. 38-41


Literaturverzeichnis
Artus, Ingrid: Geschlecht – Gender. Einführung in die Sozialstrukturanalyse. Unveröffentlichtes Skript, Institut für Soziologie, Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg, 2022, S. 16
Bond, Micheal: Wayfinding. The Art and Science of How We Find and Lose Our Way. London: Picador, 2020
Fahrenholz, Isa: Ist die Zukunft weiblich?. In: Baumeister, 118. Jg., 3/2021, S. 38-41
Flagner, Beatrix; Bruun Yde, Marie: Es geht um Bürokultur, nicht um Frauenbevorzugung. In: Bauwelt, 112. Jg., 17/2021,
S. 22-25
Lange, Torsten: Von der Schief- in die Schräglage kommen. In: Bauwelt, 112. Jg., 17/2021, S. 20-21
Peters, Fabian: Haben es Architektinnen schwerer?. In: Baumeister, 118. Jg., 3/2021, S. 34-37
https://blogs.unicef.org/evidence-for-action/what-is-gender-socialization-and-why-does-it-matter/ <19.01.2022>
https://www.bmfsfj.de/resource/blob/122398/87c1b52c4e84d5e2e5c3bdfd6c16291a/zweiter-gleichstellungsbericht-der-bundesregierung-eine-zusammenfassung-data.pdf <19.01.2022>
https://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61705/voll-und-teilzeitbeschaeftigte <19.01.2022>
https://mediatum.ub.tum.de/doc/1519783/1519783.pdf <19.01.2022>
https://nax.bak.de/2018/11/29/nax-report-04-18-ace-tf-women-in-architecture/ <19.01.2022>
https://n-ails.de/ <19.01.2022>
https://www.unicef-irc.org/publications/pdf/IDP_2017_01.pdf <19.01.2022>

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